Sonntag, 23.11.2014

Zentrales Anliegen der Bevölkerungsumfrage KOMRegio ist es, in den Ballungsräumen Mannheim/Ludwigshafen, Karlsruhe und Mainz ein umfassendes Bild vom Kommunikations- und Informationsverhalten der Bevölkerung zu gewinnen. Dabei geht es im einzelnen um die Integrationsleistung von Medien und ihre Themenkompetenz im lokalen Raum, um Inhalte, Muster und Wege des Medienverhaltens, des Freizeitverhaltens und der Arbeitswelt. So sollen Ansatzpunkte zur Vermittlung von Medienkompetenz gefunden werden, um medienpädagogische Maßnahmen zielgruppengerecht zu entwickeln und einzusetzen.

 

Ein weiteres Ziel dieser Studie ist es, in der Untersuchungsregion Informationen über mögliche Defizite in der lokalen Medienversorgung zu erfassen und Synergie- bzw. Kooperationspotentiale für Medienunternehmen festzustellen.

 

KOMRegio wurde vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest unter Federführung der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg in Kooperation mit der Zeitungs Marketing Gesellschaft und in Zusammenarbeit mit dem Interfakultativen Institut für Angewandte Kulturwissenschaften an der Universität Karlsruhe, dem Ministerium für Wissenschaft Forschung und Kunst Baden-Württemberg, der Stiftung Lesen und dem Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen durchgeführt.

 

Die Grundgesamtheit ist die Bevölkerung in Privathaushalten des Untersuchungsgebietes ab 14 Jahren. Aus dieser Grundgesamtheit wurde eine repräsentative Zufallsstichprobe von 1.750 Befragten gezogen (ADM-Mastersample).

 

Die Interviews wurden vom 9. Februar bis zum 27. März 1998 persönlich-mündlich durchgeführt. Feldarbeit und Datenprüfung übernahm das IFAK Institut Taunusstein.

 

Medienumgang

  • Medienrepertoire und lokale Mediennutzung
  • Persönliche Kommunikation und Netzwerke

 

Das lokale Umfeld als Verhaltens- und Erlebnisrahmen

  • Freizeit, Vereine, Veranstaltungen in der Region Arbeit und Bildung
  • Lokale Verankerung und Einbindung in die Region
  • Einstellungen zu Technik und Medien Wertekonzepte und Lebensstile Soziodemographie

 

Ausgewählte Ergebnisse zu Einzelaspekten

Die klassischen Medien dominieren (noch) durch alle Altersschichten das individuelle Medienrepertoire. So nutzen die Befragten mindestens mehrmals wöchentlich private Fernsehprogramme (92%), öffentlich-rechtliche Programme wie ARD und ZDF (89%), Südwest 3 (41%), Radio mit lokaler Information (61%), regionale Tageszeitungen (77%), Zeitschriften (51%) und das Internet bzw. Online-Dienste (1%). Betrachtet man die Nutzungshäufigkeit des Internets gezielt, so fällt auf, daß das Internet (noch) kein tagesaktuelles Medium ist: 3% der Befragten nutzen es mehrmals im Monat, 8% bereits mehrmals im Jahr. Der Computer hat sich in den Haushalten (noch) nicht durchgesetzt: So gaben nur 26% der Befragten an, privat einen Computer zu besitzen. Allerdings gibt es Hinweise, daß Computer dennoch im Alltag der Menschen eine Rolle spielen, denn bereits 60% nutzen einen Computer - entweder zu Hause oder am Arbeitsplatz. Interessant dabei ist, daß 72% der Bevölkerung im Untersuchungsgebiet angibt, den Umgang mit dem Computer durch Kollegen, Freunde oder Verwandte gelernt (44%) oder sich selbst beigebracht (28%) zu haben.

 

Einstellung zur Technik und neuen Medien

Die Durchsetzung neuer Techniken und Medieninnovationen wird vor allem durch Anwendungsprobleme der Nutzer erschwert: So geben heute 38% der Befragten an, daß die Bedienung von Videorecordern und Computern zu kompliziert sei.

 

Weitere hemmende Faktoren können die Einstellung zur Technik generell sein: Daß keine einstimmige Technikeuphorie in der Bevölkerung herrscht macht ein Ergebnis deutlich: Für 30% der Befragten ist Technik eher ein Segen, für 13% eher ein Fluch, 57% sind bei der Entscheidung unentschlossen.

 

Risiken neuer Kommunikationsmöglichkeiten sehen die Befragten durch eine zunehmende Vereinsamung durch Multimedia (36%) und der Entstehung einer Informationskluft zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen (39%). Dabei gilt generell: Je älter die Befragten, desto pessimistischer und kritischer sehen sie die Medienzukunft.

 

Neben möglichen Nachteilen werden auch Chancen neuer Medienangebote gesehen: So glauben 29%, daß die Einflußmöglichkeiten der Bürger in der Informationsgesellschaft zukünftig größer werden, daß mehr Arbeitsplätze geschaffen werden (29%), daß sich das Internet und Online-Dienste genauso wie Radio und Fernsehen ausbreiten werden (41%) und daß sie Funktionen klassischer Institutionen wie z.B. Banken und Reisebüros übernehmen werden (41%).

 

Im Zeitalter der Globalisierung ist die Bevölkerung im Untersuchungsgebiet immer noch vor allem stark am lokalen Geschehen interessiert (63%). Für rund 56% ist Heimat eine sinnstiftende Kategorie, für 31% gilt dies wenigstens teilweise. Dabei gilt die Tendenz: Je älter die Befragten, desto größer ist das Interesse an lokalen Themen. Möglicherweise entwickelt sich eine junge Generation von global denkenden Mediennutzern, die sich nicht an einen bestimmten Ort gebunden fühlt (53%).